07121 203 76 08 info@50millisekunden.de

One Pager: super sinnvoll oder unheimlich unsinnig?

von | 29. Oktober 2020

Was ist ein „One Pager“?

Ein One Pager (auch Single-Page) ist eine Webseite, bei der alle Inhalte auf einer einzigen Seite untergebracht sind (außer vielleicht dem Impressum und der Datenschutzerklärung).

Damit der Besucher sich gut orientieren kann, hat sie trotzdem eine Navigation, die aber nicht auf neue Seiten führt, sondern auf den entsprechenden Abschnitt der Seite „springt“: Eine sog. Anker- oder Jump-Navigation.

Das klingt nach einfach, schnell und praktisch. Ist das so?

Welche Vorteile hat ein One Pager?

Auf den ersten Blick sind es einige:

  • Er ist übersichtlich und hat eine einfache Nutzerführung:
    Der Besucher bleibt auf einer Seite, braucht nur von oben nach unten scrollen und kann sich nicht „verlaufen“.
  • Die Inhalte erhalten mehr Augenmerk:
    Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Besucher sich alle Inhalte der einen Seite anschaut ist größer, als bei einem „Mehrseiter“.
  • Er macht es spannend:
    Nur eine Seite zu nutzen ist gut fürs Storytelling: Sie können durch den Aufbau der Seite bestimmen, in welcher Reihenfolge der Nutzer die Inhalte zu sehen bekommt und damit sehr gut eine Geschichte oder eine Argumentation aufbauen.
  • Er ist bequem:
    Scrollen ist einfacher als Klicken (vor allem auf dem Handy) und geht gefühlt auch schneller. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Besucher sich alle Inhalte anschauen, statt wegzuklicken, wenn sie nicht gleich finden, was sie suchen.
  • Die Umsetzung geht schneller:
    Nur eine einzige Seite zu erstellen, kostet weniger Zeit, als mehrere Seiten zu erstellen.

Aber…

Die Hoffnung, dass die Besucher sich bei einem One Pager eher alle Inhalte ansehen würden, als bei einer Website mit mehreren Seiten, ist ein Denkfehler.
Die Wahrscheinlichkeit ist eine andere:

Je weniger Inhalte eine Website hat, je relevanter die Inhalte für ihn sind und je besser sie zu finden sind, desto größer ist die Chance, dass der Nutzer alle Inhalte anschaut. Egal, ob die auf einer einzigen Seite oder auf mehrere Seiten verteilt sind.

Ein Experiment: Glauben Sie, dass Sie alle Inhalte meiner Webseite ansehen würden, nur weil ich diese alle auf eine Seite gepackt habe? Da täte einem am Ende der Finger weh vom vielen Scrollen und das Gehirn von den vielen Informationen, die Sie nicht interessieren. Am Ende wäre Sie sauer auf mich, weil ich sie mit so viel Text und für Sie unnützem Kram belästige. Und zu Recht! Weil bei weitem nicht alles auf meiner Website auch für alle meine Besucher wichtig ist.

Bequem und übersichtlich? Ja, aber…

Zwar scheint es erstmal bequem, wenn man alle Inhalte per scrollen erreicht. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass man sich gut zurechtfindet. Je mehr unterschiedliche Inhalte oder Bereiche ein One Pager hat, desto mehr Mühe muss man sich auch hier mit der (Jump-)Navigation geben. Sonst findet der Besucher auch auf einem Einseiter nicht was er sucht, ist frustriert und verlässt die Seite wieder.

Wenn die Inhalte über die Basics einer Visitenkarte im Web hinausgehen, müssen die Inhalte auch beim One Pager gut geplant werden, damit die Übersichtlichkeit gut wird, die Nutzerführung sinnvoll und das Storytelling spannend. Die Seite muss also mit Umsicht konzipiert und gestaltet werden, damit sie wirklich Nutzerfreundlich wird. Je mehr Inhalte die Seite hat, desto mehr Hirnschmalz muss man also reinstecken, damit es gut wird.

Einfach und schnell erstellt? Ja, aber…

Je mehr Inhalt die Seite hat, desto mehr Gedanken muss man sich machen. Und plötzlich ist der Unterschied für den Aufwand gar nicht mehr so groß, ob ich für eine Homepage eine große einzelne Seite konzipieren, betexten, gestalten und pflegen muss, oder fünf kleinere. Sie wollen Ihre Besucher mit Ihrer Website wirklich begeistern? Dann kann es passieren, dass Sie beim One Pager sogar mehr Arbeit investieren müssen, als bei einem einen Mehrseiter, um den Besuchern das gleiche Maß an Begeisterung zu erzeugen.

Eine Website ist günstiger und schneller in der Entwicklung, je weniger Inhalte sie hat. Und eine kleine Webseite mit 5 Seiten macht nicht unbedingt mehr Arbeit, als ein One-Pager mit denselben Inhalten.

Die technische Seite:

Und dann ist da noch die Ladezeit… Eine kurze Seite ist schneller geladen, als eine lange. Ist Ihr One Pager kurz ist alles gut. Bei umfangreichen One Pagern ist eine kluge Optimierung notwendig, damit die Inhalte oben auf der Seite schon gezeigt werden, solange Inhalte weiter unten noch geladen werden. Denn unter Umständen sind fünf kurze Seiten in der Summe schneller geladen, als eine lange.

…und die SEO:

Ein wirklich großer Nachteil eines One Pagers ist, dass er nur äußerst eingeschränkte Möglichkeiten bei der Suchmaschinen-Optimierung (SEO) bietet.

Wann macht ein One Pager Sinn?

Unter bestimmten Bedingungen kann der One Pager aber seine Vorteile voll ausspielen:

  • Wenn die Menge an Inhalten an sich noch übersichtlich ist.
    Ausnahme:
    Die Seite erzählt eine klar aufgebaute Geschichte – von oben nach unten, von Anfang bis Ende – dann kann es auch mit viel Inhalt gut funktionieren.
  • Wenn alle Inhalte für alle Besucher gleich interessant sind.
  • Wenn es nur ein einziges generelles Angebot auf der Seite gibt (z.B. „Hundetraining“ oder „Restaurant“ oder „Friseur“). Es darf ein paar Ausprägungen geben, aber kein zweites Angebot – also z.B. nicht „Hundetraining & Verkauf von Tierzubehör“ oder „Restaurant und Kleinkunstbühne“ oder „Friseur und Massagestudio“.
  • Wenn SEO keine Rolle spielt (soll es ja geben) oder wenn es für die Auffindbarkeit der Seite ausreicht, dass sie nur mit einem einzigen Keyword-Set gefunden wird.

Auch wenn man diese Regeln nicht erfüllt, kann man einen tollen One Pager machen. Der lebt dann von wirklich guten Ideen in der Gestaltung und in der Umsetzung. Ein ganz ungewöhnliches Beispiel ist www.atterwasch.net. Auf dieser Seite wird das Schicksal des Dorfes Atterwasch auf (technisch) nur einer einzigen Seite erzählt. Das merkt man aber gar nicht, weil das Ganze eher ein scrollbarer Film ist (sehenswert!).

Für diese konkreten Fälle ist ein One Pager eine wirklich gute Idee:

  • Als Homepage für eine einzelne Veranstaltung
  • Für Unternehmen mit nur einem einzigen Produkt und einem sehr klaren und einfachen Angebot, dass sich in knappen Worten gut erklären lässt
  • Als Online-Visitenkarte für ein Ladengeschäft

Als schneller Einstieg in die Online-Welt, wenn es noch nicht so viele Inhalte gibt, man aber von Anfang an im Netz präsent sein möchte, schließlich muss ein One Pager ja keiner bleiben, sondern kann auch einfach ein erster Schritt sein auf dem Weg zur „großen“ Homepage, als MVP und frei nach dem Motto: Done is better than perfect.

Sie planen eine Website als One Pager?
Meine Mini-Checkliste für Sie:

Tipps aus der Praxis für einen gelungenen One Pager:

  • Stellen Sie sich die Frage: Haben Ihre Besucher einen echten Vorteil, wenn alle Ihre Inhalte auf einer Seite stehen? (z.B. Ladezeit, Erlebnis, Übersichtlichkeit)
  • Die Navigation nicht vergessen und Elemente zur Navigation immer sichtbar lassen
  • Einen mitlaufenden „nach oben“-Button einbauen, der beim Scrollen sichtbar ist
  • Die unterschiedlichen Bereiche optisch gut trennen
  • Die Bereiche mit deutlich erkennbaren und eindeutigen Überschriften versehen
  • Machen Sie deutlich, was die Besucher als Nächstes tun sollen, z.B. durch deutlich erkennbare Kontaktmöglichkeiten.
  • Nicht zu viel auf einmal wollen – weniger ist mehr!

Alles, was es für eine gute Startseite zu beachten gilt, ist natürlich genau so auch für einen One Pager wichtig. Tipps dazu bekommen Sie es in meiner kostenlosen Startseiten-Checkliste.

Hier noch drei gelungene Beispiele, die sehr gut funktionieren, obwohl sie nicht alle Regeln befolgen:

beautyofbrewing.com (Bestätigung „über 18“ notwendig)
Eine Seite ohne direktes „Ziel“ über Erlebnis und Information hinaus.

baustaub.ch
Ein prima Beispiel für eine One Page Unternehmensseite, wo ich sogar ausnahmsweise mal mit dem Slider einverstanden bin.

 cafefrida.ca
Hat (bei mir zumindest) eine ziemlich lange Ladezeit und leider keine SSL-Verschlüsselung, ist aber ein gelungenes Beispiel für die sehr kreative Gestaltung eines One-Pagers für ein Café.

 edypersonaltrainer.ch
Obwohl hier schon ziemlich viel angeboten wird, punktet die Seite mit toller Emotionalität (vor allem durch das Video im Header)

Sie haben ein gutes Beispiel für einen One Pager oder besitzen selbst einen, der richtig toll ist? Ich freue mich über Links in den Kommentaren (prüfe sie aber natürlich vor dem Freischalten) oder auf eine Nachricht über Facebook.

Kostenlose Checkliste:

10 ärgerliche Fehler auf der Startseite – und wie Sie sie vermeiden.

Barbara Gölz, UX-Spezialistin

Ich bin Barbara Gölz.

Kämpferin für konsequente Kundenorientierung, Verfechterin bestmöglicher UX, SEO-Missionarin, E-Commerce-Agitatorin und Projektabwicklerin.

Bild des Downloads: 10 ärgerliche Fehler beim Aufbau der Startseite

NEU

Kostenlose Checkliste

10 ärgerliche Fehler auf der Startseite – und wie Sie sie vermeiden.

Ich unterstütze Sie gerne

Mit lösungsorientierter Beratung

für alle Projektschritte für die Umsetzung von benutzerfreundlichen Webseiten und Online-Shops

Mit einem Coaching oder Workshop

für den Einstieg in eine erfolgreiche Planung und Umsetzung Ihres Online-Auftritts, den Sie in Eigenregie umsetzen wollen

Mit Gehirn-freundlichen Konzepten

damit Ihre Kunden gerne und immer wieder bei Ihnen kaufen

Mit Projekt-Management

zur erfolgreichen Umsetzung Ihres Online-Projektes

Barbara Gölz, Gründerin von 50 Millisekunden

Ich bin Barbara Gölz.

Seit über 20 Jahren verhelfe ich Unternehmen zu verkaufsstarken Shops und professionellen Webseiten, die von ihren Nutzern genauso geliebt werden, wie von ihren Betreibern.

Kontakt:

Telefon: 07121 203 76 08
E-Mail: info@50millisekunden.de

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!

Öfter mal was Neues lesen?

Jetzt für meinen praktischen Newsletter anmelden und Tipps & Tricks für nutzerfreundliche Webseiten und Shops erhalten.
(Datenschutz)
ANMELDEN
close-link
Neugierig? Klick mich!